10 Fakten über unsere Bundespräsidenten,

die du noch nicht wusstest!

#1 Das erste Staatsoberhaupt der Bundesrepublik Deutschland war de facto nicht Theodor Heuss

Vor der Wahl des ersten Bundespräsidenten Theodor Heuss am 12. September 1949 bekleidete der Bundesratspräsident Karl Arnold das Amt des kommissarischen Staatsoberhaupts. Seine Tätigkeit in dieser Funktion dauerte allerdings nur eine Woche.

Karl Arnold (1901-1958). Foto: Paul Bouserath/KAS-ACDP

#2 Horst Köhlers Wiederwahl wurde noch vor dem offiziellem Ergebnis via Twitter verkündet

Bei der Wiederwahl vom Bundespräsidenten Horst Köhler 2009 wusste die Öffentlichkeit den Namen des Gewinners, bevor er offiziell bekannt gegeben wurde.

Die CDU-Abgeordnete Julia Klöckner, die an der Stimmauszählung beteiligt war, twitterte live aus der Bundesversammlung: "Leute, ihr könnt in Ruhe Fußball gucken. Wahlgang hat geklappt."

Julia Klöckners Tweet aus der Bundesversammlung 2009 - inklusive Tippfehler. Foto: Twitter.

#3 1979: Kein Personal für die Vereidigung

Bei der 7. Bundesversammlung im Jahr 1979 kam es zu einer merkwürdigen Konstellation: Weder der Präsident des Bundestages, Karl Carstens, noch die Vizepräsidentin, Annemarie Renger, konnten damals die Sitzung leiten, weil beide selbst für das Amt des Bundespräsidenten kandidierten.

Ein weiterer Bundestagsvizepräsident, Richard Stücklen, musste daraufhin einspringen und seinem bisherigen Kollegen Carstens als dem neugewählten Staatsoberhaupt den Eid abnehmen.

Karl Carstens, 1973 / Bundesarchiv, B 145 Bild-F039719-0021 / Schaack, Lothar / CC-BY-SA 3.0

Foto: Annemarie Renger, 1973 / Bundesarchiv, B 145 Bild-F039421-0028 / Wegmann, Ludwig / CC-BY-SA 3.0

Annemarie Renger, 1973 / Bundesarchiv, B 145 Bild-F039421-0028 / Wegmann, Ludwig / CC-BY-SA 3.0

#4 In den Amtsantrittsreden aller Bundespräsidenten tritt das Wort „Frieden“ insgesamt 51-mal auf, „Krieg“ 43-mal

Die ersten Worte eines Staatsoberhaupts verraten viel. Horst Köhler erwähnte etwa das Wort „Deutschland“ 35-mal in seiner ersten Rede nach der Vereidigung, während es bei Gustav Heinemann nur dreimal vorkam.

Die Dauer der ersten Ansprache unterscheidet sich ebenfalls deutlich: Die längste Antrittsrede (5769 Wörter) hielt der 6. Bundespräsident Richard von Weizsäcker. Der erste Bundespräsident Theodor Heuss war dagegen eher sprechfaul und kam mit 1918 Wörtern aus. Hier sehen Sie eine Statistik der Vorgänger von Frank-Walter Steinmeier.

Häufigkeit des Auftretens von Merkmalskategorien in den Antrittsreden deutscher Bundespräsidenten.

#5 Die Nummer 1 im Staat – und im Auto

Auch wenn der Bundespräsident im Vergleich zur Bundeskanzlerin vorwiegend repräsentative Aufgaben wahrnimmt - zumindest in einem Bereich hat er die Nase vorne: Als Staatsoberhaupt genießt der Bundespräsident  die protokollarisch ranghöchste Repräsentanz des Staates. Das zeigt nicht zuletzt auch das Autokennzeichen seines Dienstfahrzeuges. Dieses lautet 0-1. Die Bundeskanzlerin ist dagegen "nur" mit der 0-2 unterwegs - obwohl sie nach dem Bundestagspräsidenten  eigentlich protokollarisch erst an dritter Stelle steht.

Dienstwagen des Bundespräsidenten mit dem Kennzeichen 0–1 / Sir James / CC BY 3.0

#6 Schon mehr als 250.000 Menschen haben eine Auszeichnung vom Bundespräsidenten bekommen

Das Bundesverdienstkreuz wurde von dem ersten Bundespräsidenten Theodor Heuss 1951 gestiftet und gilt seitdem als die einzige allgemeine Verdienstauszeichnung der Bundesrepublik Deutschland, denn sie wird für Leistungen für das Gemeinwesen verliehen.

Mit der Verleihung des Verdienstordens zeigt der Bundespräsident seine höchste Anerkennung im Namen des ganzen Volkes und zeichnet außerordentliche politische, wirtschaftliche, geistige, soziale und ehrenamtliche Leistungen aus.

Bundesverdienstkreuz und Schulterband. Foto: Gemeinfrei.

Bis zum Januar 2016 haben rund 254.000 Menschen einen Verdienstorden bekommen, die meisten von ihnen waren Männer. Die Gleichberechtigung der Geschlechter sollte aber auch in diesem Bereich herrschen, meinte der Bundespräsident Horst Köhler, als er 2006 eine Quotenregelung für Frauen von mindestens 30 Prozent einführte.

#7 Die erste offizielle Auslandsreise führte mehr als die Hälfte aller Bundespräsidenten nach Frankreich

Der erste Staatsbesuch beziehungsweise die erste Auslandsreise des Staatsoberhaupts wirkt immer symbolträchtig und zeigt seine außenpolitischen Prioritäten. Für die deutschen Bundespräsidenten ist Frankreich mit sechs von zehn ersten Reisezielen der beliebteste Bestimmungsort. In den letzten Jahrzehnten wurde auch Polen mit den Antrittsbesuchen von Bundespräsidenten ausgezeichnet: Horst Köhler und Joachim Gauck wählten das Nachbarland zum Ziel ihrer ersten Auslandsreisen.

#8 Der Bundespräsident bekommt 227.00 Euro Gehalt – plus Aufwandsgeld

Gemäß dem Entwurf des Haushaltsgesetzes 2017 belaufen sich die Amtsbezüge des Bundespräsidenten im kommenden Jahr auf 227.000 Euro und betragen wie immer 10/9 des Amtsgehalts der Bundeskanzlerin.

Zusätzlich bekommt das Staatsoberhaupt noch 78.000 Euro Aufwandsgeld. Aus diesen Mitteln sind auch die Löhne des amtlichen Hauspersonals zu zahlen - der Bundespräsident kann sich davon also kaum bereichern.

Foto: Von Friedrich.KrombergPotograpo: W.J.Pilsak - http://de.wikipedia.org/wiki/Bild:Euro-1_neu2.jpg, CC BY-SA 3.0

Ihm stehen aber Fahrkostenzuschüsse, Umzugskostenvergütungen und sogar das Trennungsgeld in Höhe von insgesamt 53.000 Euro zur Verfügung. Für seine Unterkunft muss der Bundespräsident ebenfalls nicht selbst aufkommen: Für ihn ist eine freie Amtswohnung mit Ausstattung vorgesehen.

#9 Das Durchschnittsalter der deutschen Bundespräsidenten zum Zeitpunkt des Amtsantritts liegt bei 62,9 Jahren

Obwohl man bereits mit 40 Jahren das Amt des Bundespräsidenten bekleiden kann, entscheiden sich deutsche Politiker viel später für eine Kandidatur. Der jüngste Bundespräsident war bislang Christian Wulff mit damals 51 Jahren, der älteste sein Nachfolger Joachim Gauck. Er wurde mit 72 Jahren am 18. März 2012 zum Staatsoberhaupt gewählt. Mit 76 Jahren verließ er das Schloss Bellevue.

 

 

Christian Wulff, der bisher jüngste Bundespräsident bei seinem Amtsantritt. Foto: Martina Nolte, Lizenz: Creative Commons by-sa-3.0 de

Joachim Gauck war nicht der Erste, der als Bundespräsident in den wohlverdienten Ruhestand eingetreten ist. Aus Altersgründen verzichteten auch Gustav Heinemann und Karl Carstens auf die zweite Amtszeit.

#10 Der Bundespräsident wird von Jogi Löw gewählt (und anderen Prominenten)

Der Bundespräsident wird bekanntlich von der Bundesversammlung gewählt, in der neben den 630 Bundestagsabgeordneten auch 630 Delegierte sitzen, die von den Landesparlamenten entsandt werden. Diese müssen nicht unbedingt Abgeordnete sein. In der Vergangenheit haben die in den Landesparlamenten vertretenen Parteien gerne auch Personen des öffentlichen Lebens entsandt, wie zum Beispiel bekannte Schauspieler oder Sportler. Dieses Mal haben unter andem Fußball-Bundestrainer Joachim Löw, Schauspielerin Veronica Ferres und der Nobelpreisträger (und KAS-Altstipendiat) Stefan Hell den neuen Bundespräsidenten gewählt. Löw und Hell wurden dabei von den Grünen vorgeschlagen und Ferres von der CDU.

 

 

Bundestrainer Jogi Löw ist einer von vielen Prominenten, der den nächsten Bundespräsidenten wählen wird. Foto: Steindy, Lizenz: Creative Commons by-sa-3.0 de